Fakt oder Fake? Wahrheit und Lüge in der digitalen Welt.
Um die Frage der Fake News drehte sich die jüngste Folge der Vortragsreihe Wirtschaft und Werte des Forums Kirche und Wirtschaft vom 26. September in Kappel a.A. vor 140 Personen. Die Referierenden sehen die Zukunft des klassischen Bezahl-Journalismus nicht besonders rosig. Aber es gibt Lichtblicke, die ausgerechnet Donald Trump ausgelöst hat.
«Eben hat uns die Meldung erreicht, dass US-Präsident Donald Trump zurückgetreten ist.» Mit dem überraschenden Satz, vorgetragen, ohne eine Mine zu verziehen, hat Christoph Balmer nicht nur für einen Moment ungläubiges Schweigen im Kappeler Gemeindesaal ausgelöst. Dem Fachstellenleiter des Forums Kirche und Wirtschaft des Katholischen Kirche Zug gelang der perfekte Einstieg ins Thema, das uns alle tagtäglich beschäftigt: Fakt oder Fake? Wahrheit und Lüge in der digitalisierten Welt.
In der Neuigkeitenflut unzureichend informiert
In seinem Input-Referat machte Medienwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Wyss zunächst eine Bestandsaufnahme im Journalismus und kam zu einer ernüchternden Bilanz: «Der traditionelle Journalismus ist in Bedrängnis, da das Gros der Konsumenten für journalistische Leistungen nichts mehr bezahlen will.» Neue Mitbewerber drückten in den Markt, die sich nicht primär einer möglichst neutralen Objektivität verpflichtet fühlen, sondern eine eigene Agenda verfolgten: Bürgerjournalisten, PR Agenturen, politische Organisationen, algorithmisch gesteuerte Angebote und Social Media. Das führe nicht nur zu einem Abfluss wichtiger Werbegelder ins Internet. So komme es zu einer Erosion der institutionellen Wissensordnung, die bisher als Standard gegolten hat. Es kommt zur Vermischung der Wissensformen, die bei der Entstehung unterschiedliche Standards durchlaufen haben. Das wird den Konsumenten aber in der Regel nicht offengelegt. Desgleichen mit neuen Technologien. Tech-Giganten wie Google und Facebook agieren wie Medienunternehmen, legen ihre Algorithmen, nach welchen Kriterien welche Meldungen an die User verteilt werden, aber nicht offen. Bei Fehlentwicklungen stehlen sie sich aus der Verantwortung – was für ein traditionelles Medienhaus unmöglich wäre. Wyss bezeichnete die Social-Media-Plattformen denn auch als «Treiber der Fake News», und plädierte für eine Regulierung der Tech-Giganten.
Die Krux mit der Wahrheit
Philosophin Suzann-Viola Renninger definierte den Begriff Wahrheit und kam zum Schluss, dass Wahrheit sehr individuellen Wahrnehmungen unterworfen sei, es deshalb eigentlich keine absolute Wahrheit gebe. Über die verschiedenen Wahrnehmungen zu diskutieren, sei jedoch die Basis der Demokratie. Mit den sozialen Medien bestehe aber die Gefahr, das man sich nur noch in genehmen «Echokammern» bewege und so die womöglich unbequeme Diskussion umgehe. Fake-News-Produzenten (Renniger nannte sie «Faker») und –Konsumenten hätten jedoch nichts gemein mit empirischer Wahrheit – sofern es sich nicht um Fake News wider besseren Wissens handle: «Faker verfolgen eine Agenda des eigenen Machterhalts.» Es sei deshalb sinnlos, Zeit und Energie mit ihnen zu verschwenden, denn es gehe ja nicht um die Wahrheit. Renninger sagte: «Bullshit haben wir schon früher geredet, am Stammtisch beispielsweise. Doch heute wird das übers Internet verbreitet und das mache die Sache gefährlich, da schlecht kontrollierbar und meist auch anonym. Deshalb werde eine gute Allgemeinbildung immer wichtiger, um Informationen richtig einordnen zu können.
Fake News haben auch ihr Gutes
Blick.ch-Chefredaktorin Katia Murmann fand: «Man muss den Fakern die Stirn bieten, muss deren Bullshit entlarven. Fake News sind der grösste Feind des Journalismus.» Allerdings musste Murmann zugeben, dass gerade der Temporausch im Online-Journalismus Falschmeldungen begünstigt. Sie stellte aber auch fest, dass Fake News nicht a priori schlecht sein müssen. Seit Donald Trump an der Macht sei, hätten seriöse Medien wie die New York Times und andere wieder mehr Zulauf (Trump Bump), was sie positiv mit Blick auf die gesamte traditionelle Medienlandschaft stimme.
Für das Forum Kirche und Wirtschaft: Martin Platter


