Ein spannender Abend widmete sich am 20. Mai im Burgbachsaal Zug der Frage, ob Freiwilligenarbeit im Spannungsfeld zwischen Ehrenamt und Eigenmarke noch Zukunft hat. Drei Persönlichkeiten aus Forschung, digitaler Kommunikation und Sport eröffneten aus ihrer Expertensicht anregende Perspektiven zur Freiwilligenarbeit.

Da hatte Thomas Hausheer, Leiter des Forums Kirche und Wirtschaft der Katholischen Kirche Zug, für die Veranstaltung im Zyklus «Wirtschaft und Werte» bei der Suche nach Expertinnen und Experten für das Podium eine glückliche Hand. Die Kommunikationsstrategin Barbara Schwede, CEO der Agentur «Die Schwedin», der Forscher Jakub Samochowiec vom Gottlieb Duttweiler Institut und Felix Jaray, Co-Geschäftsführer der «Special Olympics Switzerland National Games Zug 2026» ergänzten sich optimal. Zum guten Gelingen trug auch Nicole Freudiger bei. Die SRF-Journalistin der Fachredaktion Religion moderierte die inspirierende Runde kompetent.
Freiwillige: unbezahlt und unbezahlbar
Die Einstimmung in der Kirche St. Oswald legte einen ersten Grundstein für den erfolgreichen Abend. Seelsorgerin Gaby Wiss erzählte von über 830 Freiwilligen im ganzen Pastoralraum und dass allein für die «Bauhütte» pro Monat bis zu 500 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet werden: «Freiwillige sind unbezahlt, aber unbezahlbar. Sie sind das Herzstück jeder Pfarrei.» Der Cellist Jonas Iten brillierte mit drei Solostücken, die das Publikum begeisterten.
Biotope für Neues aktivieren Hilfsbereitschaft
In seinem Kurzreferat wies Jakub Samochowiec darauf hin, dass statistisch gesehen Freiwilligenarbeit mit dem Verlust des Bezugs zum Lokalen rückläufig ist. Als Antwort auf diese Entwicklung motivierte er: «Freiwilligenarbeit ist nicht als Auftreiben von kostenlosen Arbeitskräften zu verstehen, sondern mit neuen Strukturen müssen Biotope für Neues gebildet werden, um die vorhandene Hilfsbereitschaft zu aktivieren.»
Sehnsucht nach Tiefe und Identität
Barbara Schwede stieg mit einer pointierten Analyse ein: «Wir unterschätzen die Sehnsucht nach Tiefe und unsere Sprache erzeugt zu wenig Resonanz». Sie zeigte auf, dass heute alles gewählt werden kann, bis hin zur Identität und dass Soziale Medien hierbei einen Orientierungsrahmen bieten. Mit ihrer Anfrage an die Kirche traf sie den wunden Punkt im Wettbewerb um Strahlkraft: «Was strahlt die Kirche heute aus an Freude, Begeisterung und auch Sehnsucht?»
Sinn und Emotionen motivieren zu Einsatz
Als lokaler Experte brachte Felix Jaray eine neue Sicht ein, denn für die «Special Olympics Switzerland» hat er teilweise Mühe, allen Freiwilligen eine Arbeit zuzuteilen, weil sich so viele für einen Einsatz anmelden. Den Grund dafür kennt er: «Der Anlass stiftet Sinn. Wer die Emotionen einmal erlebt hat, will es wieder erleben – und kommt wieder.» Er plädierte auch für Mut zu Klartext und den Mut, überholte Strukturen aufzulösen.
Räume der Sehnsucht schaffen ein Zuhause
Niemand der Podiumsgäste konnte ein Patentrezept präsentieren. Dennoch nahmen die Besucherinnen und Besucher dieses höchst anregenden und kurzweiligen Abends die Erkenntnis mit, dass Engagement dort entsteht, wo Menschen Bedeutung erleben. Dies geschieht, wo sie sichtbar werden, wo Projekte statt Gremien zählen, Profil gezeigt und ihnen Vertrauen geschenkt wird.
Statt Rezepte und Antworten kehrten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der herausfordernden Frage von Barbara Schwede heim: «Wie schaffen wir Räume, nach denen Menschen sich sehnen und in denen sie sich zuhause fühlen?»


















